VintageFreitag

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Limone hat ein Museum. 

Ein Tourismus – Museum, dass beleuchtet die Facetten des „Urlaub machens“ seit Goethe mal schnell Abstand von Weimar gebraucht hat. 

Das Museum erstreckt sich auf zwei Etagen und ist freundlicherweise kostenfrei zu besuchen. Es beherbergt neben Vespen, Eis – Fahrrädern, alten Kassen und Radiogeräten aus den 50er Jahren vor allem viele alte Blechschilder, Ansichtskarten und Werbeposter. 


Sehr nett und kurzweilig. 

Wer in der Gegend ist und noch mehr Vintage als Vintage will, also vintager, der sollte nach Malcesine mit der Fähre fahren und die Burg besichtigen. Johann Wolfgang war auch schon da. 

Kirche ham se auch. Allerdings nen recht unspektakulär Beichtstuhl, und Elektrokerzen anzünden per Münzeinwurf war selbst mir zu futurespacig, dafür ist die Schiffskanzel mal richtig außergewöhnlich schön. Und eine Porzellanmaria im Schneewittchen-Glaskasten ist auch ein unerwartetes Specialfeature. 

Glücklicherweise hatte mein Gestern – Ich den Kühlschrank vollgestellt, so dass nach dem Tagesausflug durchaus gut für uns gesorgt war. 

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Ich hab von meiner ehemaligen Arbeitskollegin und Freundin Katrin dieses hinreißende Set, bestehend aus Aschenbecher und Eiskübel, gerettet aus dem Partykeller ihrer verstorbenen Oma, geschenkt bekommen. 

Es wird ein ehrenvollen und gebührenden Platz erhalten. 

Der Umstand dieses unverhofften Geschenks hat mich dazu gebracht über Katrins Oma nachzudenken. 

Vorallem zwei Dinge sind mir ganz präsent. 

Wir waren schon lange oder gerade eben aus dem elterlichen Wohngemeinschaften ausgezogen und durften in der urlaubsbedingten Abwesenheit von Katrin Eltern Pool und Laube nutzen. Nur eine Sache hatten die Eltern daheim gelassen: die Oma. 

Um zum Sommerdomizil zu gelangen musste man durch Omas Wohnung, so hatte sie uns – Anfang 20/Mitte 20 – und unsere lässige Gartenparty voll im Blick. Ich bin zu extremer Höflichkeit erzogen, trotzdem glaub ich, fand mich die Oma ziemlich schräg. 

Rückblickend und gerade auf dieses Poolbild blickend mit Brautschleier im Haar wundert mich das eigentlich auch nicht mehr sonderlich. 

Der zweite bleibende Gedanke an die Oma blitzt tatsächlich jedes Mal auf, wenn jemand stirbt. 

Katrins Oma pflegte zu sagen: Wenn einer stirbt, nimmt er zwei mit. 

Zu ihren Lebzeiten und zum damaligen Zeitpunkt durchaus abergläubisch angehaucht, haben wir dann scharf beobachtet, welche Todesfälle sich – mehr oder minder zufällig – zur gleichen Zeit ereignen. 

Weniger durch solche Zufälle überrascht – weil gestorben wird halt immer – geht mir dieser Satz dennoch jedesmal wir eine mantrische Prophezeiung durch den Kopf. 

Richtig schön find ich allerdings den Gedanken, dass wir alle Spuren in anderen Hirnen hinterlassen und darum geht’s ja auch. Katrins Oma hat jetzt auch eine Spur in meiner schrägen Wohnung hinterlassen, damit hätte sie sicher nicht gerechnet. 

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Ich mag ja Halstücher. Was ich nicht mag: Tücher am Hals. Wofür sie sich aber einwandfrei eignen ist einen Bad Hairday zu einem einwandfreien Laune Tag zu verwandeln. 

Ich ersteh meine Tücher im Gebrauchtwarenhof für maximal Eineneurofuchzich und das ist eine Investition in den Tag, die ich jedem empfehlen würde. 

Ich hab über die Jahre recht schöne ergattert. 
Am liebsten sind mir allerdings Souvenirtücher. 

Ich denk dann immer, dass sie ursprünglich in einer ganz besonderen, ausgelassenen Stimmung erworben wurden und die Geschichte tragen sie mit sich rum. 

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Nachtrag zu letzter Woche: 

Ich war auf dem RockabillyRave in England und im totalen Shopping-Musik-Feierfieber, wie ihr euch sicher vorstellen könnt. Das Ganze ist ein in sich geschlossenes Universum, mit eigenem Fernsehkanal, Verhaltens- und Umgangsregeln. Ein Ort an dem die totale Suchtbefriedrigung zelebriert wird. Ähnlich wie man sich einen Aufhalt in der Betty Ford Klink vorstellen darf, nur anders herum – positiv bewertet. Übrigens jede Art von Sucht: Kaufexzesse, Profilierungssucht und Hedonismus, Musikrausch und über den allgemeinen Alkoholkonsum möchte ich gar nichts erwähnen. Nur soviel: in den Morgenstunden sieht das Festivalgelände, wie nach einer Silvesterfeier am Roten Platz aus. 

Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Die vier Vintageschätze (okay, die Schuhe sind Reproduktion von Rockets Originals) sind es dann geworden. 

Die rote, sowie die rosa Tasche und die Schuhe standen auf dem Must Have Einkaufszettel. Die braune Tasche war dann Liebe und ich kam nicht daran vorbei. 

Trotz 10 Stunden Hin- und 12 Stunden Rückfahrt: 94 Stunden eine andere Welt. 

Eine schöne Welt. Ich kanns nur jeden Empfehlen.

Sonne

Konzerte

Lebensqualität 

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Altes Zeug in Mailand gefunden… z.B. die offensichtlich genderabhängige Einstellung zum Verhüllen im Dom. 

Ja, wenn man in Kirchen geht, sollte man das nicht im Bikini tun, aber etwas seltsam finde ich die doppelmoralische Auffassung schon. 

Die Herren der Schöpfung laufen mit kurzen Hosen, Klettverschlussfestgezurrten Peeptoe-Wandersandaletten, TShirts mit fast schon obszönen PinUp Motiven oder grenzwertigen Sprüchen ein. 

Die Damen dürfen sich ein züchtiges Bedeck-Cape im unschuldigen 100-Mark-Schein-blau zu legen, übrigens – Modestadt Milano lässt sich nicht lumpen – mit Gürtelchen, um es wahlweise um ihre Hüften oder Schultern zu winden. 

Trotz meiner sorgfältigen Auswahl an Kleidung an diesem Tag, fiel auch ich – vorallem mein imposanter Rückenausschnitt – dem Türsteher zum Opfer. Ohne Jacke – keine Absolution. Weil wir aber schon 1 Stunde für die Karten angestanden sind, sind wir dann erstmal auf den Dom. 

Auf dem Dom wars aber auch ganz schön – hier: ich noch ganz züchtig kurz vorm Wet-Weihwasser-Contest.


Im Dom dann vor allem: viel los.


Nach Rom kickt mich ja nix mehr an überdimensionaler Angeberei in Kirchen, da schmunzel ich nur milde. Nice Try, Duomo! 

Damit ich aber doch noch versöhnt Richtung „wildestes Moscow Mule“ Feierabend- Experiment starten konnte, haben wir noch zwei kleine Kirchen besucht. 

Genau so mag ich das: klein und hysterisch, wenn dich das magische Wunschdenken schon beim Betreten der Kirche schier umhaut. 

Basilica di Santo Stefano – hab mich im Heilgenrausch dazu hinreißen lassen eine Kerze zu entzünden. 



Und natürlich Chiesa di San Bernadino alle Ossa 


Beschwingt und voller neuer Eindrücke haben wir am Abend die vermutlich schönste Bar der Welt gefunden. Zu alkoholischen Getränken wird in Italien selbst in der kleinsten Kaschemme pflichtschuldig Essen gereicht. Das können mal Chips sein, mal Oliven oder aber auch ganz aufwendige Antipasti. Stuzzichini eben und ich finde das Wort spricht für sich. 

In Mom Cafe – Viale Monte Nero 51 – falls da mal einer hin muss, um den Eintrag auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen, gibt’s ein riesiges wirklich aufwendiges und liebevoll arrangiertes Buffet, an dem sich alle kostenfrei bedienen können. Beeindruckend ist, dass es niemand mit der Völlerei übertreibt. Die Leute kommen nach ihrem Tagewerk zusammen, Trinken, Essen, Reden und verschwinden wieder. Ein reges Kommen und Gehen und vermutlich leider nicht analog in Deutschland umsetzbar ohne entsprechende Freibierg’sichter.

Der Besitzer hat wirklich einen zufriedenen und entspannten Eindruck gemacht, außerdem hatte er genügend Zeit einen ziemlich abgedrehten MoscowMule zu kreieren. 

Wodka, Ginger Beer, Eis, Limetten, Gurke, Ingwerscheibe, Chillischote. 

Durchaus empfehlenswert, also ganz Mailand.  Aber vergesst euer Anstandsjäckchen nicht. 

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