Italien

Regen im Paradies

Was machste denn, wenn es dir den Urlaub verregnet?

Nee, ich fahr nach Italien, Sommer verlängern. 

Tja, nicht! 

Unfreiwillig haben wir nen Roadtrip unternommen und eventuell geb ich demnächst eine Quartettedition „Kirchen und ihre speziellen Features“ raus. 

Gibt ja doch einiges zu sehen. 

Kurzzusammenfassung:

Gargnano

Kirche schlicht. Stadt auch. Dafür kannste Villen am Wasser mit Bootsanlegestelle kaufen. Wäre ja ne Option. Es bleibt die Frage wie im Juni in Genua – wer kommt mit zum Restaurieren?

Toscolano Maderno

Kirche sehr klein und heimelig. Beichtstuhl für ein „mittendrin statt nur dabei“ – Erlebnis.

Gardone Riviera

Echte heiligen Gebeine! Schöne Wandmalerein. Endlich Kerzen zum anzünden und an jemanden denken.

Salò


Dom hatte Mittagspause von 12-15:30 Uhr. Daher nur Stadt angeguckt. Viele Segelschiffe und Yachten. Wer Geld hat und keine Ideen, steigt hier ab und trinkt überteuert Martini Sprizz am Pier. Nochmal zum Dom: In meiner Phantasie steigen die Ikonen vom Sockel und machen Brotzzeit und vertreten sich die Füße. 

Regen gibt auch her, dass man mal zwei Stunden vor sich hin kochen kann. 


Paniertes Gemüse mit Mozzarella-Sugo, zweierlei Käselasagne und Steinpilzlasagne, frische Oliven und frische Kapern. 

Sonntag gibt’s Fisch – bei mir im Aquarium. 

Überlagernd die frühfördernden Eltern 6 bis 9 monatiger Zwerge, die ihren plärrenden und überforderten Nachwuchs an die Scheibe drücken und „Fischi, Fischi“ schreien. Oder etwas inkonsequent die schon laufenden halben Meter anbrüllen, dass sie nicht an die Scheibe patschen. Kann man machen, man könnte aber auch seinen 1,5 m Durchmesser – Dank vollgestopften Deuter Rucksack -entspannt und ungestresst im Freien mit Kindern in der Natur umherschieben und zum Beispiel: „Guck mal das Vogi“ schreien. Allein die klassische Helikopter-Eltern-Präsentation rechtfertigt den stolzen Preis von 15 Euro. 

Ach und ich hab nen Seestern gestreichelt, bevor mich ein Rucksack vom Berührbecken weggemoscht hat. Ein Footballspieler ist ein Scheißdreck gegen eine motivierte Mutter. 

Zum Abschluß noch ein Eis mit Ente in Sirmione gegessen und die Burg bewundert. 

Am Abend: Ice Tigers Sieg zu frischen Tortellini mit Steinpilzen. 

Ach ja, so geht ein Regenwochenende am See. 

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VintageFreitag

Limone hat ein Museum. 

Ein Tourismus – Museum, dass beleuchtet die Facetten des „Urlaub machens“ seit Goethe mal schnell Abstand von Weimar gebraucht hat. 

Das Museum erstreckt sich auf zwei Etagen und ist freundlicherweise kostenfrei zu besuchen. Es beherbergt neben Vespen, Eis – Fahrrädern, alten Kassen und Radiogeräten aus den 50er Jahren vor allem viele alte Blechschilder, Ansichtskarten und Werbeposter. 


Sehr nett und kurzweilig. 

Wer in der Gegend ist und noch mehr Vintage als Vintage will, also vintager, der sollte nach Malcesine mit der Fähre fahren und die Burg besichtigen. Johann Wolfgang war auch schon da. 

Kirche ham se auch. Allerdings nen recht unspektakulär Beichtstuhl, und Elektrokerzen anzünden per Münzeinwurf war selbst mir zu futurespacig, dafür ist die Schiffskanzel mal richtig außergewöhnlich schön. Und eine Porzellanmaria im Schneewittchen-Glaskasten ist auch ein unerwartetes Specialfeature. 

Glücklicherweise hatte mein Gestern – Ich den Kühlschrank vollgestellt, so dass nach dem Tagesausflug durchaus gut für uns gesorgt war. 

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Bei Mama Miraculi läufst…

…eine Geschichte aus Limone, Riva del Garda und Torbole.

Die Wettervorhersage in der App ändert sich stündlich. Da bleibt immer bisschen spontan die Entscheidung: See, Ausflug oder wuseln im Appartement. Weil aber glücklicherweise das Wetter ebenso spontan entscheidet, ob die Wolken zwischen den Bergen hängen bleiben, war heute alles drin. 

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die App die Sonne oder die Sonne die App beeinflusst. Aber irgendwie hat das was mit den Chemtrails zu tun. So Aluhut auf und Blog geschrieben.

Während Limone im Zitronenrausch ist, hab ich mich heute für Ananas entschieden, frei nach dem Motto: ihr seid das Imperium und wir sind die Rebellen. 


Dann auf nach Riva. Erstmal die Kirchen und die Beichtstühle inspiziert. Und weil die Frage kommen wird, vorweg genommen: nein, keine Kerze gestiftet, hat mich kein Heiliger angesprochen. 


Alles weltliche angesehen, sehr nett. Nett, nicht bewegend. Ja, ein hartes Urteil.  

Torbole – es gibt nur ein Bild. Den Rest könnt ihr euch denken. 

Wenn du kein Windsurfer oder Mountainbiker oder Biker bist, hast du dort nix verloren. Außer du bist auf der Suche nach einem Coop – also einem italienischen Aldi, dann bist du doch richtig. Hatte nen Kaufrausch und wie das in meiner Familie üblich ist, könnten jetzt spontan mongolische Horden zu Besuch einfallen, später wird sich keiner beschweren können, dass er nicht satt wurde. 

Wetterappaffin sind wir dann heimgefahren – hatte recht, es hat bei 27 Grad getröpfelt. Gut so, es gibt nämlich nicht unbedingt immer die richtige Kleidung und ein bisschen aus Zucker bin ich schon. Außerdem musste das Gelage für Attila und Konsorten vorbereitet werden. 

 

Hab mich darauf beschränkt nur zwei meiner Lieblingskochbücher mitzunehmen. Eins kennst du schon aus einem vorherigen Eintrag aus Riva di Solto vor drei Jahren, das vegetarische Italien ist neu und empfehlenswert. 

Zum Kochen gehört für mich: Zeit, vielleicht ein Ramazotti sauer auf Eis, Musik (gerade: Via con me) und richtig gute Laune. Meist kommt die von selbst (oder vom Ramazotti), es hilft aber auch ein schöner Küchenfensterausblick, akribisch gehortete Käsereiben oder der Geruch von frischen Zutaten. 


Auberginenauflauf (ich bin zu faul das Rezept anzuschreiben, ich hab es dir fotografiert, falls du das dringende Bedürfnis verspürst es nach zu kochen), Pilzlasagne (ist eher spontan aus frischen Lasagneplatten, Pilzen, Knoblauch, Zwiebeln und Ricotta entstanden), sowie klassischer Brotsalat. 

Breitengradbedingt hat sich ein römisches Heer sattgegessen und schwelgt vermutlich noch 2 Tage dran. Alles richtig gemacht, schmatzt mein Zukunfts-Ich zufrieden. 

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Wider dem Montagsblues 

5 Dinge, die deinen Montagsblues schmälern. 

Hier sind meine. Oder kurz gesagt – ein Grund:

Ganz klar Urlaub, der wischt den Blues weg. Um so schöner Urlaub im geliebten Italien. 

Ob jetzt der Gardasee Italien ist oder eine deutsche Kolonie, darüber lässt sich streiten. Irritiert war ich schon, als beim Zahlen im Laden auf deutsch kassiert wurde. Man spricht deutsch! Leider: das bringt so Stilblüten mit sich wie: „Papa, ich will so nen Schbinna, son’n Fidschidschbinna.

 Ich hatte auch gleich ein bisschen Angst, dass Gerhard Polt mit nem Augustiner aus dem Spar kommt. 

Dafür wohnen wir zumindest italienisch – also ein bisschen im unkontrollierten und auf den ersten Blick zusammenhangslosen Dekorausch unserer Airbnb Hosts. 

 




Liebe steckt halt immer in Details und davon gibt’s hier reichlich.

 

Nicht nur in der Wohnung, sondern auch in den Häuserecken und jeder sich bietenden Nische, aber das wissen wir Italien- und IkonenliebhaberInnen ja. 


Mit dem richtigen Filter wird dann auch aus dem bewölkten Limone eine sonnige Erinnerung und alles ist wieder gut. Vor allem der Hauswein, der ist recht gut.


In diesem Sinne: piacere. Muss los, gleich ist blaue Stunde und damit meine ich tatsächlich die Zeit schöne Fotos zu schießen. 

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Wider dem Montagsblues

5 Dinge die heute glücklich machen, du bist eingeladen mitzumachen.

Seit gestern bin ich in Genua, um ehrlich zu sein, fällt es mir nicht schwer bei Sonne und Strand glücklich zu sein. Es ist so einfach. 

1. Der Ausblick um 7 Uhr morgens am noch leeren Strand. Lediglich Fischer gehen ihrer Arbeit nach und die ersten Kreuzfahrtschiffe – nicht zu verwechseln mit Kreuzfahrer – erreichen den Hafen. 


2. Das Cafe eröffnet: der erste Cappuccino um 7:30 Uhr. Eine italienische Rentnerclique bestehend aus Silberrücken und Golden Girls entert den Strand lautstark. Besonders gefällt mir Paolo, ich denke er hat die Synchromstimme des Paten gesprochen. Jeder einzelne der Gruppe wird so herzlich begrüßte, dass man meinen könnte, es war gestern gar nicht so sicher, ob er heute noch auftaucht.

Später werde ich von Möwengekreische erwachen und etwas Zeit brauchen zu verstehen, dass es gar keine Möwen, sondern das Hyänenlachen der Golden Girls ist, die aus einem roten Samttäschchen einen überdimensional großen Dildo zaubern und rumgehen lassen. 

Leider kann ich aufgrund der Sprachbarrieren hierzu keine weitern detaillierten Auskünfte über diese denkwürdige und bizarre Situation geben. 

3. Lifehacks des Sommers: 

a) Vorausschauend PET Wasserflasche halb gefüllt liegend einfrieren, auffüllen und ziemlich lang kühles Wasser haben. Geht übrigens auch als Weinschorle, hat aber zwangsläufig dem Harald Junhke Effekt und eignet sich daher eher für die Nachmittagsstunden. 

b) Sprühflasche mit Rosenwasser füllen, um die Haut zwischenzeitlich angenehm zu kühlen. 

c) Schwarzer Biografie lesen – ich muss sagen, die liegt jetzt seit 2 Jahren eingeschweißt im Regal und ich gab die eigentlich aus Verlegenheit mitgenommen, falls die Literatur ausgeht. Mittlerweile bin ich so gefesselt und kann das Buch nur wärmstens weiterempfehlen. Es ist nicht nur amüsant, ehrlich, treffend und mit einem liebevollen selbstkritischen Blick geschrieben, sonder äußerst informativ und trotz wandelndem Frauenbild hochgradig aktuell. 

4. Ich hab das dringende Bedürfnis meinen Geldbeutel in den Supermarkt zu werfen und Oliva die Kassierin anzuschreien: Hier nimm alles, aber bau mir den gleichen in Deutschland nebenan. 


Es gibt wirklich alles was ich brauche! Alles!

5. Flanieren. Was für ein schöner Zeitvertreib.

Hab übrigens meine neue Berufung gefunden. Diese wunderschöne brachliegende Terasse mit angrenzendem zerfallenem Hotel. Mach hier eine Pension für betuchte Rentner auf die auf ihr Kreuzfahrtschiff warten. 

Als aufmerksamer Blogleser kennst du das ja schon, ich überleg schon wieder hier zu bleiben. 

Tendiere grade zu Casa Dolce Vita könnte aber auch spontan Pension Erika werden. Jedenfalls bräuchte es jemanden, der mit mir das Ding herrichtet. Freiwillige vor! Und wenn du schon kommst, bring doch bitte für Sonntag, Brezen, Obazder, Radieschensalat und Rettich mit. Ein Frühschoppen wäre grad recht, das fehlt hier etwas. 

Dafür winkt dieser Ausblick und da könnte man jetzt echt nicht klagen. 

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